01/2020 | Echte Ängste in der virtuellen Realität bekämpfen


Dem Einsatz von Virtual Reality (VR) wird eine große Zukunft vorausgesagt. Auch auf dem Feld psychischer Erkrankungen ist der Einsatz von VR von großer Bedeutung. Seit 2020 gibt es die weltweit erste digitale Psychotherapie bei Angststörungen für zu Hause: die Invirto-Therapie. Entwickelt hat die Versorgungsleistung das Hamburger Unternehmen Sympatient GmbH. Die Invirto-Therapie ist leitlinienkonform und kann bei den relevantesten klinischen Angststörungen angewendet werden. Über 5 Millionen Patienten in Deutschland können von der Therapie profitieren.

Gemeinsam mit der TK hat die Sympatient GmbH einen 140a-Vertrag abgeschlossen, dem die GWQ ab dem 1. April dieses Jahres beitritt. Vorab können sich alle Aktionärs- und Kundenkassen der GWQ für dieses innovative Versorgungsangebot anschließen.

Von Angststörungen sind in Deutschland rund 10 Millionen Menschen betroffen. Ängste wie Agoraphobie (Platzangst), Panikstörung oder soziale Phobien, unter denen ca. 5 Millionen Versicherte leiden, können Lebensqualität und Beschäftigungsfähigkeit ganz entscheidend beeinträchtigen: Chronifizierte Patienten verursachen jährlich vierstellige Kosten für Krankenkassen, da sie nicht mehr zur Arbeit fahren können und einfache Tätigkeiten wie den Supermarktbesuch nicht mehr schaffen. Studien zeigen, dass sogenannte Expositions- bzw. Konfrontationstherapien bei diesen Störungen hocheffektiv sind. Einfach gesagt, die Patienten werden unter fachlicher Beobachtung angstauslösenden Situationen ausgesetzt und lernen ihre Angst zu überwinden. Allerdings werden diese Therapien in der Praxis nur selten angeboten – sie sind nicht nur teuer, sondern auch sehr personalintensiv.

Während die Patienten bei der klassischen Konfrontationstherapie beispielsweise von erfahrenen Therapeuten begleitet großen Menschenmengen, U-Bahn-Fahrten, Flugreisen oder großen Höhen ausgesetzt werden, kann die Invirto-Therapie zu Hause durchgeführt werden – telefonisch begleitet von approbierten Psychotherapeuten. Dazu werden die Versicherten zunächst ganz klassisch von Psychotherapeuten diagnostiziert und können nach der Diagnostik direkt ohne Wartezeit in die Therapie starten. Möglich machen das die Invirto-App und eine Virtual Reality Brille, die jeder Patient erhält und auch nach Therapie-Abschluss behält.

Dieser Ansatz mit seiner Kombination aus kognitiver Verhaltenstherapie und Expositionstherapie mit dem Einsatz von VR ist der weltweit erste leitliniengerechte Behandlungsstandard für eine Therapie in den eigenen vier Wänden. Gestartet wurde das Programm an der Universitätsklinik Schleswig-Holstein. Ein bundesweiter Roll-out ist schon in den nächsten Monaten geplant, so dass sich Patienten deutschlandweit für die Invirto-Therapie anmelden können.


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