04/17 | 8. GWQ-Symposium: Investitionen der Kassen können die digitale Transformation GKV-gerecht voranbringen

Der Blick zurück zeigt die ersten zehn überaus erfolgreichen Jahre der GWQ, der nach vorn verspricht ein spannendes und chancenreiches Jahrzehnt für das Unternehmen wie für seine Kunden und Aktionäre. Das 8. Berliner Symposium der GWQ stand ganz im Zeichen des 10. Unternehmensgeburtstags. Bei der Veranstaltung in der Berliner Bertelsmann Repräsentanz ging es trotzdem nicht um eine Nabelschau, sondern um die Fragen, wie der Wettbewerb in der GKV intensiviert werden kann und wie die digitale Transformation das Gesundheitssystem im nächsten Jahrzehnt verändern wird.

Das zuversichtliche Motto des Symposiums „Die Zukunft kann kommen“ begründete GWQ-Vorstand Dr. Johannes Thormählen in seinem Grußwort mit den enormen Chancen der digitalen Transformation, die Grundlage ist für eine qualitative und wirtschaftliche Verbesserung des Versorgungsangebotes. Dabei, so die GWQ-Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Gertrud Demmler, setzen Aktionäre und Kunden weiter auf die GWQ als „ihr“ Unternehmen: Man habe die GWQ 2007 einerseits gegründet, um mit der gebündelten Marktmacht mittelständischer Kassen im Wettbewerb mit den großen Versorgerkassen zu überzeugen. Zugleich aber war es das Ziel, ein schnelles und flexibles Unternehmen zu schaffen, das den Kassen umfangreiches Spezialwissen und vertragliche Möglichkeiten zu Themen zur Verfügung stellt, die einzelne Kassen nicht auf gleichem Niveau bearbeiten können.

Das erste GWQ-Jahrzehnt beweist, dass dieses Konzept auch unter den Bedingungen eines stark eingeschränkten Wettbewerbs überzeugt. Wie dieser Wettbewerb künftig intensiviert werden kann, erläuterte der Ökonom Prof. Achim Wambach, Vorsitzender der Monopolkommission der Bundesregierung und Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH. Aus seiner Sicht wäre es beispielsweise sinnvoll, den RSA zu einem Vollmodell zu entwickeln, die Haftung für insolvente Kassen dem GKV-Spitzenverband zu übertragen und, nicht zuletzt, die Gründung neuer Kassen zu ermöglichen bzw. zu erleichtern.

Von entscheidender Bedeutung sei es, den Krankenkassen echte Investitionsanreize zu geben. Denn Investitionen seien notwendig, um den Wandel vom Payer zum Player, vom Zahler zum Gestalter von Gesundheitsleistungen zu schaffen. Vor allem, um den Rückstand bei der Digitalisierung des Gesundheitssystems aufzuholen, der sowohl im Vergleich zu anderen Branchen wie mit Blick auf die Gesundheitssystem anderer Länder augenfällig sei.

Prof. Wambachs Beschreibung des Status quo wurde während der anschließenden Podiumsdiskussion von allen Teilnehmern geteilt. Auch das Publikum, so Abstimmungen während der Veranstaltung, erkennt erst den Beginn einer Entwicklung, sieht aber die großen Chancen der neuen Technologien. Doch während auf dem Podium Einigkeit über die Forderung herrschte, dass die Digitalisierung nun schnell und mit erheblichem finanziellen Einsatz vorangetrieben werden müsse, wurde das Ziel bzw. das Ergebnis dieser Entwicklung durchaus kontrovers diskutiert.

Dr. Markus Müschenich, Start-up-Förderer und Vorstand des Bundesverbandes Internetmedizin, prognostizierte nicht nur, dass auf kontinuierlich wachsende Datenmengen basierende und lernende Programme schon in absehbarer Zeit bessere Ergebnisse erzielen werden, als noch so erfahrene Ärzte. Er ist auch überzeugt, dass Patienten und Versicherte das erkennen und digitale Lösungen dem analogen Arzt vorziehen werden. Datengestützte Algorithmen werden auch in Zukunft nicht ausreichen, um den Gesundheitszustand eines Menschen ganz zu erfassen und die beste Therapie zu wählen, meinen hingegen Dr. Thomas Aßmann und Birgit Bauer.

Dr. Aßmann, Hausarzt und Erfinder des von der GWQ realisierten TeleArzt-Konzepts, sieht schon aufgrund eigener Erfahrungen den Nutzen digitaler Instrumente und fordert vehement mehr Tempo und mehr Mut. Doch handelt es sich für ihn immer um Anwendungen, die dem Arzt eine bessere Arbeit für den Patienten ermöglichen, ihn aber nicht ersetzen sollen und können. Birgit Bauer, die sich unter anderem als Bloggerin für die MS-Kranken einsetzt, brachte die Haltung dieser Gruppe auf den Punkt: Die Patienten wollen digitale Angebote und werden sie nutzen. Aber sie wollen auch ihren Arzt behalten.

Wohin die digitale Reise letztlich führt, hängt davon ab, wie schnell und zielstrebig das deutsche Gesundheitssystem in Bewegung kommt. Bart de Witte, Director Digital Health DACH IBM Deutschland GmbH, sieht trotz der Stärken der Internetkonzerne – Internationalität, Investitionskraft, Flexibilität – die Chance der GKV bzw. des Gesundheitssystems, die digitale Entwicklung mitzusteuern. Allerdings sieht er dafür ein Zeitfenster von maximal fünf bis sieben Jahren, und das könne man nur öffnen, wenn ab sofort und über Jahre nennenswert investiert würde. Als Hausnummer nannte er 100 Mrd. Euro für das kommende Jahrzehnt, also 10 Mrd. Euro pro Jahr, weniger als 4,5 Prozent der GKV-Gesamtausgaben.

Dass die Krankenkassen mehr investieren möchten und durch mehr Wettbewerb bessere Versorgungslösungen voranbringen wollen, betonten Dr. Demmler und Dr. Thormählen zum Abschluss des Symposiums. Die GWQ wie ihre Kunden stehen gleichsam in den Startlöchern und hoffen auf die künftige Regierung. Dabei wird die GWQ, so Dr. Thormählen, ihre Erfolgsgeschichte fortschreiben, auch wenn mutige und zukunftsorientierte Entscheidungen auf sich warten lassen. Denn die GWQ hat in ihrem ersten Jahrzehnt mit der Verbindung von wirtschaftlichem Erfolg, hoher Kompetenz und flexiblem Handeln im Dialog mit den Kunden ein Fundament geschaffen, von dem aus sie neuen Herausforderungen konstruktiv und im Interesse von Versicherten und Kassen begegnen kann.


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