03/2021 | Digital Health Applications Nachbericht von den Essen-Kettwiger-Gesprächen zum Thema DiGA


Anfang November diskutierte ein interdisziplinärer Kreis aus 43 Fachleuten des Gesundheitswesens bei den diesjährigen Essen-Kettwiger-Gesprächen zum Thema digitale Gesundheitsanwendungen – kurz DiGA. Eingeleitet wurde der in diesem Jahr erneut digitale Gedankenaustausch von Tobias Manner-Romberg, Referent Digital Health beim Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) in Berlin. Zu den weiteren Diskutanten gehörte, neben Dr. Georg Diedrich, Geschäftsbereichsleiter IT & eHealth der KV Westfalen-Lippe, Dortmund und Dr. Hansjörg Mühlen vom Diabetologicum, der Diabetologischen Schwerpunktpraxis in Duisburg, auch Oliver Harks, Bereichsleiter Versorgungsmanagement der GWQ ServicePlus AG aus Düsseldorf.

DiGA-Erfolg braucht stärkere Akzeptanz
Tobias Manner-Romberg erläuterte den Prozess der Antragsstellung beim BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) im sog. „Fast-Track“-Verfahren in Verbindung mit den hohen Zulassungs-Anforderungen an eine DiGA. Zudem verdeutlichte er das breite Indikationsspektrum, für das die 24 derzeit zugelassenen DiGA bereits jetzt im Praxisalltag Anwendung finden können. Das sozialmedizinische Potenzial von DiGA ist aus seiner Sicht allerdings von einer grundsätzlichen Akzeptanz der Leistungserbringer und Kostenträger abhängig.

Ärzte offen für unterstützende Anwendungen
Aus Sicht der am Gespräch teilnehmenden Ärzteschaft kann bezüglich DiGA derzeit lediglich von einer Schließung von „Versorgungslücken“ gesprochen werden, nicht aber von vollwertigen Therapiealternativen. Grundsätzlich steht man einer für den Praxisalltag unterstützenden Anwendung offen gegenüber, doch Innovationen können nicht allein auf dem Rücken der Behandelnden etabliert werden. DiGA seien eben doch nicht selbsterklärend und werden auch nicht von allen Anwender:innen als intuitiv empfunden. Es erfordere Zeit und zusätzliches Engagement, sich selbst und die Patient:innen im Umgang mit den DiGA „fit zu machen“. Einen monetären oder prozessualen Ausgleich gibt es für Ärztinnen und Ärzte faktisch zum jetzigen Zeitpunkt nicht, somit verbleibt die Frage der Sinnhaftigkeit dieser Bemühungen. Zukünftig wünscht man sich einen stärkeren und direkten Austausch zwischen Entwicklern der DiGA und deren Anwendern sowie Verordnern, mit dem Ergebnis einer interaktiven und tatsächlich unterstützenden Therapiemaßnahme.

GWQ setzt auf Mehrwert
Für Oliver Harks, Bereichsleiter des Versorgungsmanagements der GWQ, darf der Einsatz von DiGA das Prinzip einer „Evidenzbasierten Medizin“ nicht aushöhlen. Die Frage des medizinischen Nutzens ist für ihn eine der essentiellen Fragen, die es in diesem Zusammenhang zu beantworten gilt. „DiGA müssen im Vergleich zur vorhandenen Versorgung einen Mehrwert (positiven Versorgungseffekt) unter Beweis stellen und nicht nur gegenüber der Nichtanwendung. Das Risiko dürfe nicht einseitig der Solidargemeinschaft auferlegt werden, wenn bei vorläufigen Aufnahmen ins DiGA-Verzeichnis am Ende kein positiver Versorgungseffekt festzustellen sei,“ forderte Harks. Grundsätzlich seien DiGA geeignet einen wichtigen Beitrag zur digitalen Transformation des Gesundheitswesens zu leisten, indem sie die medizinische Versorgung sinnvoll unterstützen.

Erstattungspreise und Datenschutz
Diskutiert wurde ebenfalls darüber, inwieweit die aktuellen Erstattungspreise gerechtfertigt sind sowie über die sehr hohen Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit, die weit über die Anforderungen der europäischen DSGVO hinausgehen.

Über die Essen-Kettwiger-Gespräche (EKG)
Die Essen-Kettwiger-Gespräche wurden 1999 von Fachleuten aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens in NRW ins Leben gerufen. Die Teilnehmer:innen verstehen sich als kreativer Arbeitskreis, der die am Gesundheitswesen Beteiligten an einen Tisch zusammenführt, Gemeinsamkeiten herausarbeitet und Ideen zu umsetzbaren Aktivitäten verhilft. Gemeinsames Ziel ist die Weiterentwicklung eines solidarischen Gesundheitswesens zum Wohle der Patienten.


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