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GWQamPuls: Herr Dr. Thormählen, das Jahr 2025 liegt hinter uns. Wie fällt Ihr Rückblick aus und mit welchem Gefühl sind Sie in das Jahr 2026 gestartet?
Dr. Johannes Thormählen: 2025 war ein intensives, in vielerlei Hinsicht auch forderndes Jahr – für die gesetzliche Krankenversicherung insgesamt, aber auch für uns als GWQ. Steigender Kostendruck, demografische Effekte, Fachkräftemangel und gleichzeitig hohe Erwartungen an Digitalisierung und datenbasierte Steuerung haben das System stark beansprucht.
Gleichzeitig haben wir als Gemeinschaftsunternehmen gesehen, dass gemeinsames, strategisches Handeln wirkt.
Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mit hoher Kompetenz und großem Engagement daran gearbeitet, unsere Aktionärs- und Kundenkassen in diesem Umfeld zu unterstützen. Dafür bin ich sehr dankbar.
Mit Blick auf 2026 überwiegt bei aller Nüchternheit ein klares Gefühl: Wir wissen, wo wir stehen, wir kennen unsere Stärken und wir sind organisatorisch, fachlich und technologisch gut aufgestellt für die Herausforderungen, die vor uns liegen.
GWQamPuls: Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für die Krankenkassen in 2026?
Dr. Johannes Thormählen: Dieses Jahr wird ein Jahr struktureller Entscheidungen. Der finanzielle Druck auf die GKV ist enorm. Zusatzbeiträge oberhalb von drei Prozent sind keine abstrakte Prognose mehr, sondern Realität. Gleichzeitig wächst der politische und gesellschaftliche Anspruch, Versorgung qualitativ und nachhaltig weiterzuentwickeln.
Hinzu kommen Konsolidierungs- und Fusionsdruck, steigende regulatorische Anforderungen und eine spürbare Verunsicherung bei Versicherten.
Die zentrale Frage lautet daher: Wie gestalten wir heute qualitativ hochwertig die Versorgung, ohne die notwendige Transformation von morgen auszubremsen – und wie meistern wir diesen Spagat bei dauerhaftem Ressourcendruck?
GWQamPuls: Welche Rolle kommt der GWQ in diesem Spannungsfeld zu?
Dr. Johannes Thormählen: 2026 verstehen wir uns mehr denn je als strategischer Partner. Unser Anspruch ist es, Krankenkassen dabei zu unterstützen, auch unter hohem Druck handlungsfähig, entscheidungsstark und zukunftsorientiert zu bleiben. Mit unserer neuen Markenarchitektur und den drei Produktgruppen GWQ.knows, GWQ.creates und GWQ.buys haben wir unsere Kompetenz- und Geschäftsfelder klar fokussiert und zeigen wofür wir stehen:
Unser Ziel ist es, dass keine Krankenkasse die Herausforderungen des Marktes allein bewältigen muss.
GWQamPuls: Finanzstabilität ist das dominierende Thema. Was bedeutet das konkret für die Arbeit der GWQ?
Dr. Johannes Thormählen: Finanzstabilität ist die Voraussetzung für alles Weitere. Ohne sie verlieren alle Zukunftsdebatten ihre Grundlage.
Unsere Aufgabe ist es, Wirtschaftlichkeit intelligent, datenbasiert und strukturell tragfähig zu organisieren – nicht kurzfristig, sondern mit Blick auf die langfristige Stabilität des Systems. Dafür stärken wir unser Einkaufs- und Marktvolumen als zentralen Hebel.
GWQamPuls: Digitalisierung begleitet die GKV seit Jahren. Was wird 2026 anders?
Dr. Johannes Thormählen: Mit dem Roll-out der elektronischen Patientenakte ist die technische Grundlage gelegt. Jetzt geht es darum, Daten sinnvoll zu nutzen – für bessere Versorgung, für gezieltere Steuerung und für mehr Effizienz.
Dabei gewinnen AI-gestützte Analysen deutlich an Bedeutung. Sie helfen uns, Versorgungslücken früher zu erkennen, Risiken besser zu priorisieren und Maßnahmen gezielter auszusteuern. Mit dem Health Data Lab schaffen wir hier die analytische Grundlage, um datenbasierte Versorgungskonzepte systematisch weiterzuentwickeln.
Digitalisierung ist für uns kein Selbstzweck, sondern wir fokussieren spürbaren Nutzen für Kassen, Leistungserbringer und Versicherte.
GWQamPuls: Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt bei der GWQ seit mehreren Jahren eine zentrale Rolle. Was können wir hier 2026 erwarten?
Dr. Johannes Thormählen: Nachhaltigkeit ist längst kein „Zusatzthema“ mehr, sondern ein neuer Standard. Wir haben bereits 2024 und 2025 wichtige Meilensteine erreicht:
Diesen Weg werden wir 2026 konsequent fortsetzen und weiter skalieren. Gerade im Arzneimittelbereich zeigt sich sehr deutlich: Ökologische Verantwortung, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit schließen sich nicht aus.
Unsere Aufgabe ist es, diese Balance systematisch zu gestalten und unseren Kassen dabei Sicherheit zu geben, sowohl operativ als auch regulatorisch und reputativ.
GWQamPuls: Welche Bedeutung haben für Sie innovative Versorgungsmodelle?
Dr. Johannes Thormählen: Eine sehr große. Der Fachkräftemangel, der demografische Wandel und die Diskussionen rund um die Ausgestaltung der Primärversorgung und die zu missglücken drohende Krankenhausreform zwingen uns dazu, Versorgung neu zu denken.
Modelle wie Skinuvita zeigen, wie patientenzentrierte, digitale und effiziente Versorgung aussehen kann. Gleichzeitig gewinnen sektorenübergreifende Ansätze, die Stärkung der Primärversorgung und neue Versorgungsformen im ambulanten Bereich weiter an Bedeutung.
Die GWQ versteht sich hier als Schnittstelle: zwischen Krankenkassen, Leistungserbringern, digitalen Lösungen und neuen Versorgungslogiken.
GWQamPuls: Sie haben es bereits angesprochen, der Kassenmarkt steht unter Druck und befindet sich im Umbruch. Wie bewerten Sie die zunehmende Konsolidierung?
Dr. Johannes Thormählen: Konsolidierung ist längst Teil der Realität. Nicht jede Kasse wird künftig alle Anforderungen allein stemmen können. Kooperation, Skalierung und gemeinsame Lösungen werden daher weiter an Bedeutung gewinnen.
Dass unsere Aktionärsgemeinschaft weiter wächst, sehen wir als starkes Signal. Gerade erst sind fünf Kundenkassen in den Aktionärskreis eingestiegen. Diese Zusammenarbeit schafft Vertrauen und eröffnet wichtige Handlungsspielräume, gerade in einem zunehmend anspruchsvollen Marktumfeld.
GWQamPuls: Abschließend gefragt: Was ist aus Ihrer Sicht die zentrale Botschaft für 2026?
Dr. Johannes Thormählen: Dieses Jahr verlangt Klarheit, Priorisierung und Vernetzung.
Wir müssen akzeptieren, dass Ressourcen begrenzt sind und gleichzeitig den Mut haben, Versorgung weiterzuentwickeln. Daten, AI, Nachhaltigkeit, Qualität und Wirtschaftlichkeit gehören dabei untrennbar zusammen.
Die GWQ wird diesen Weg gemeinsam mit ihren Aktionären, Kunden und Partnern weitergehen – entschlossen, lösungsorientiert und mit einem klaren Blick für Mehrwerte.
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