Arzneimittelmanagement: Versorgung resilienter und zukunftsfest gestalten

Das Gesundheitssystem in Deutschland ist durch hohe und weiter steigende Kosten, insbesondere im Arzneimittelbereich geprägt. Reformen sind unerlässlich, darüber herrscht allgemein Einigkeit. Inhaltlich gehen die Vorstellungen dabei zum Teil weit auseinander. In einem aktuellen Positionspapier zeigt die GWQ geeignete Lösungsansätze auf.

Gezielte Nachjustierung funktionierender Systeme statt Umbruch

Nach Auffassung der GWQ-Expert:innen sind für eine sichere und zugleich wirtschaftliche Arzneimittelversorgung keine systemischen Umbrüche erforderlich: Nötig sind jedoch gezielte Nachjustierungen. Dazu zählen die Stärkung funktionierender Mechanismen wie der Rabattverträge, der Ausbau europäischer Produktionskapazitäten sowie eine pragmatische Preisbildung und Transparenz im stationären Bereich. Innovationen sollten weiterhin allen Versicherten zugänglich bleiben – aber faktenbasiert und zielgerichtet für die richtigen Patientinnen und Patienten.

Das Positionspapier skizziert dazu zentrale Handlungsfelder, um insbesondere die Versorgung mit Generika und innovativen Arzneimitteln langfristig zu sichern und gleichzeitig unnötige Bürokratie abzubauen. Im Mittelpunkt des Positionspapiers stehen die folgenden fünf Bereiche:

 

1. Generikaversorgung resilient gestalten – Vielfalt sichern, Produktion stärken

Generika machen rund 80 Prozent der Verordnungen in Deutschland aus und tragen maßgeblich zur Bezahlbarkeit der Arzneimittelversorgung bei. Um ihre Versorgung nachhaltig abzusichern, fordert das Positionspapier den Verzicht auf weitere Eingriffe in bestehende Rabattvertragssysteme, die sich als effektives Steuerungsinstrument erwiesen haben. Die Anbietervielfalt soll zudem durch maßvollere Festbeträge erhalten und gefördert werden. Wirtschaftlicher Druck führt sonst zum Rückzug von Anbietern und schwächt die Lieferfähigkeit. Zur Förderung der Wirkstoffproduktion in Europa sollten Rabattverträge künftig eine Mindestquote an europäischer API-Produktion (APIs = Active Pharmaceutical Ingredients) vorsehen. Um Produktionsverlagerungen ins Ausland zu vermeiden, sollten bestehende Auflagen – z. B. über praxistaugliche Umweltstandards – so angepasst werden, dass wieder in Deutschland produziert werden kann.

 

2. Arzneimittelpreisbildung im Krankenhaus: Transparenz schaffen, Bürokratie abbauen

Das derzeitige System für „Neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden“ (NUB) führt zu einem Flickenteppich regionaler Preisvereinbarungen und erheblichem Aufwand. Um die Versorgung zu verbessern, sollte die Arzneimittelpreisverordnung auf den stationären Bereich übertragen werden. Dadurch könnten bundesweit einheitliche Preise und Herstellerrabatte auch dort durchgesetzt werden. Für Präparate außerhalb der DRG-Vergütung (DRG = Diagnose-Related-Groups) sollten zudem Rezepte ausgestellt werden, wie im ambulanten Bereich. Die Rückerstattungen und Abrechnungslogik sollten vereinfacht werden, indem diese direkt zwischen Kassen und Herstellern erfolgt, statt über Krankenhäuser.

 

3. Innovative Therapien gezielt einsetzen – Zugang sichern, Ausgaben steuern

Um den Zugang zu neuen Therapien langfristig zu sichern, ohne die Beitragsstabilität zu gefährden, braucht es vor allem steuernde Maßnahmen. So könnte der Herstellerabschlag auf 15  Prozent erhöht werden, mit möglichen Bonusregelungen für Unternehmen mit lokaler Wertschöpfung. Außerdem sollten nur Patientengruppen mit belegtem Zusatznutzen Zugang zu teuren Innovationen erhalten.

Hilfreich wäre auch die Einführung eines Preis-/Mengenmodells mit automatisierten Abschlägen ab definierten Umsatzgrenzen. Um systemisch irrelevante „Schattenimporte“ ohne nennenswerte Einsparung zu vermeiden, empfehlen die GWQ-Expert:innen verbindliche Mindestpreisabstände für Arzneimittelimporte. Das jährliche Einsparpotenzial beziffern sie auf mehr als 140 Mio. Euro.

 

4. Orphan-Arzneimittel: Sonderregelungen kritisch hinterfragen

Die Privilegierung von Orphan Drugs sollte differenzierter betrachtet werden – insbesondere bei vorhandenen Therapiealternativen. Das heißt u. a. Absenkung der Umsatzgrenze für eine verpflichtende Nutzenbewertung von 30 Mio. auf 10 Mio. Euro. Das Preisbenchmarking für Orphans sollte sich darüber hinaus an analogen Indikationen mit ähnlichem medizinischem Bedarf orientieren. Die Zusatznutzenfiktion sollte ab der dritten Therapieoption in einer Indikation enden.

Die Basis für die Empfehlungen der GWQ bildet eine langjährige Expertise aus der Entwicklung innovativer Lösungen für einen Großteil der mittelständischen Krankenkassen, insbesondere bei der Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und der Qualität von Versorgungsangeboten. Allein im Arzneimittelbereich schließt, administriert und controlled die GWQ beispielsweise Arzneimittelrabattverträge für 42 Krankenkassen mit 11,9 Mio. Versicherten.

Das Positionspapier steht hier zum Download bereit.

Für Rückfragen und weiterführende Informationen zu den einzelnen Positionen steht Dr. Barthold Deiters, Member of Executive Board, Pharmaceuticals gern zur Verfügung. Kontakt: Barthold.Deiters@gwq-serviceplus.de

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