Transparenzoffensive im Hilfsmittelmarkt: Neuer GWQ-Report fordert wirksamere Steuerung und echten Qualitätswettbewerb

Während sich die gesundheitspolitische Aufmerksamkeit meist auf Bereiche wie Krankenhäuser oder Arzneimittel richtet, verzeichnet die Hilfsmittelversorgung seit Jahren eine überdurchschnittliche Wachstumsdynamik. Neben steigenden Vergütungen und technischen Innovationen treiben vor allem zunehmende Marktkonzentrationen die Ausgaben in die Höhe – eine Entwicklung, die auch die FinanzKommission Gesundheit in ihrem jüngsten Bericht vom März 2026 hervorhebt. Parallel dazu kritisiert das Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) als Aufsichtsbehörde in einem Sonderbericht die mangelnde Kostentransparenz und drohende Mehrkosten für die Versicherten.

 

Das Steuerungsdefizit an der Schnittstelle zur Praxis

Obwohl der Hilfsmittelmarkt stark selektivvertraglich organisiert ist und Krankenkassen eigenständig Preise verhandeln können, endet die Gestaltungsfähigkeit im Alltag oft an der Ladentür des Sanitätshauses.

 

„Der Hilfsmittelmarkt bewegt sich in einem sensiblen Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit, Versorgungsqualität und begrenzten Steuerungsmöglichkeiten“, erklärt Oliver Harks, Deputy CEO der GWQ. „Zwischen vertraglicher Preisvereinbarung und konkreter Produktauswahl in der Versorgungspraxis besteht eine strukturelle Steuerungslücke. Mit unserem Report wollen wir diese Informationsdefizite sichtbar machen und aufzeigen, wie die Versorgungssteuerung wirksamer gestaltet werden kann.“

 

Orthopädie vs. Homecare: Was 5,3 Millionen Versichertendaten verraten

Der Report analysiert anonymisierte Abrechnungsdaten von rund 5,3 Millionen Versicherten aus dem Zeitraum 2020 bis 2023. Im Fokus standen dabei die Segmente Orthopädietechnik und Homecare, die gemeinsam rund 45 Prozent der gesamten GKV-Hilfsmittelausgaben ausmachen:

 

  • Orthesen (Orthopädietechnik): Dieses stark heterogene Segment umfasst standardisierte Produkte sowie handwerkliche Maßanfertigungen ohne Festbeträge. Hier stiegen die Ausgaben pro Verordnung kontinuierlich an und lagen 2023 insgesamt 12 Prozent über dem Niveau von 2020.
  • Ableitende Inkontinenzhilfen (Homecare): In diesem stark standardisierten Verbrauchsgütersegment begrenzen Festbeträge die vertragliche Preisbildung. Trotz eines massiven Anstiegs der Inanspruchnahme um 29 Prozent sanken die Ausgaben pro Verordnung im selben Zeitraum um 4 Prozent. Ein klarer Beleg dafür, dass Festbeträge die Ausgabendynamik wirksam begrenzen und die Planbarkeit erhöhen können.

 

Impulse für die Politik: Qualität und Wettbewerb zusammendenken

Gerade vor dem Hintergrund des vom Bundestag beschlossenen GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes liefert der GWQ-Hilfsmittelreport wichtige ordnungspolitische Impulse. Das Gesetz setzt vor allem auf pauschale Abschläge und eine Ausweitung von Festbeträgen.

 

Aus Sicht der GWQ greifen rein pauschale Instrumente jedoch zu kurz. Da sich Produktgruppen hinsichtlich Standardisierung, Preisbildung und Versorgungsstruktur stark unterscheiden, müssen auch die regulatorischen Instrumente differenziert ausgestaltet werden. Um den Markt nachhaltig zu reformieren, sollten vielmehr ungenutzte Wettbewerbselemente gestärkt werden. Der Report plädiert daher für eine gezielte Weiterentwicklung der Steuerungsinstrumente durch Maßnahmen wie etwa:

 

  1. Die Wiedereinführung qualitätsorientierter Ausschreibungen für ausgewählte, standardisierbare Hilfsmittel (z. B. über Mehrpartnervergaben oder Positivlisten).
  2. Die Einführung evidenzbasierter Bewertungsverfahren für neue Hilfsmittel – angelehnt an das bewährte AMNOG-Verfahren für Arzneimittel.

 

Jetzt tiefer in die Analysen einsteigen!

Möchten Sie erfahren, wie Ihre Krankenkasse von den Erkenntnissen des Reports profitieren und die eigene Versorgungssteuerung optimieren kann? Der vollständige Report „Transparenz und Intransparenz im Hilfsmittelmarkt: Ausgaben und Preisfindung am Beispiel Orthopädie und Homecare“ steht ab sofort für Sie bereit.

 

Zum Download des Hilfsmittelreports

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