ADHS: Leitliniengerechte, koordinierte Versorgung


Die Situation: Neben der Sicherstellung von Diagnostik und Therapie als multimodales Behandlungskonzept für die Behandlung von Kindern- und Jugendlichen mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom) stellt ein deutlich höheres Maß an Patientenorientierung eine Chance dar, einem komplexen Ursachenbündel zu begegnen.

Uneinigkeit herrscht über die tatsächliche Zahl der Erkrankungen. „Diagnostische Unschärfen" - so die wissenschaftliche Diskussion - entstehen z. B. häufig durch die unzulässige Vereinfachung komplexer psychischer und sozialer Probleme, eine auf Medikation gerichtete Sichtweise des Problems oder Stigmatisierung des Kindes. Ursächlich dafür sind häufig zeitliche Einschränkungen der behandelnden Leistungserbringer. Der Apothekenabsatz des zur Behandlung eingesetzten Betäubungsmittels Methylphenidat, oft auch unter dem Namen Ritalin® bekannt, ist von 1993 auf 2011 um das 60fache angestiegen. Die empfohlene multimodale Therapie ist längst nicht die Regel. Während die reinen Behandlungskosten nach einer EU-Studie zwischen 716 bis 2134 Euro pro Jahr schwanken, sind Folge- und Nebenkosten durch Erziehungshilfen, Sozialdienste, Co-Morbidität von Familienangehörigen und Produktivitätsverluste noch gar nicht beziffert.

Für die Versicherten kann die Suche nach einer geeigneten Therapie bis heute ein Glückspiel sein. Für die Krankenkassen bedeutet der Status quo, dass sie trotz erheblicher Ausgaben keine einheitlich hohe Versorgungqualität bereitstellen können, keine Kostensicherheit und –transparenz haben und in vielen Fällen eine Über- oder Fehlversorgung finanzieren.